Studienfahrt

Studienfahrt

Gefühlte 40 Grad. Die Sonne brennt mir nur so in den Nacken und ich strample mir einen ab.
Meine erste Mountenbiketour war der absolute Horrortrip. Die Steigung war stetig, der Weg schmal und den Boden konnte man leider auch nicht außer Acht lassen, es sei denn, man wollte es
riskieren dass die Steine die Oberhand übernahmen. Ich riskierte lieber nichts, denn die Schlucht zu meiner Linken war angsteinflößend.

Eigentlich befand ich mich auf Studienfahrt, mir war nur leider zu Beginn nicht so ganz bewusst, dass diese auch tatsächlich unter dem Motto SPORT stand.
Der Anteil an Mädchen beschränkte sich hier auf 1/10, inklusive mir.
Ja ich gebe zu, ich wählte die Fahrt nicht, weil ich so sportbegeistert bin, sondern aufgrund der Lehrer. Zu meiner Schulzeit hätte ich den Namen Herr Ostermeier nur einmal in die Runde rufen müssen und alle hätten es zugleich gefeiert.
Jetzt war ich also in Torbule am schönen Lago di Garda, umgeben von ausschließlich
männlichen Wesen.
Ich will auch nicht behaupten, dass das ein Problem für mich darstellte. Wir 5 Mädels hatten es dort ausgesprochen gut.

Aber da war ja leider noch etwas…. Richtig! Die herrliche Radltour!
Der tägliche Windsurfkurs am Morgen, war hingegen ein kleines Aufwärmspiel.
An diesem einen Tag ging ich an meine Grenzen. Ich hatte nach rund 4 Stunden kein Wasser
mehr, hinter mir befand sich nur noch der restliche Teil der Mädchen und vor mir war leider auch niemand mehr zu sehen. Ich fuhr also alleine in der Pampa Italiens, bei praller Sonne auf einen Berg.
Handyempfang wurde hier überbewertet. Während mir die Soße überall herunterlief und sich
an meiner schwarzen Kleidung schon der salzige Schweiß bemerkbar machte, schaffte ich es
gerade noch zu denken: Hilfe, wenn ich jetzt Hops gehe, dann kann ich das nicht mal jemandem
mitteilen!

Auf einmal schien die Rettung zu nahen. Herr Ostermeier! Gemütlich kam er mir von OBEN
entgegen. „Sehr gut Laura! Immer weiter so! Nur nicht nachlassen.“
1 Minute Verschnaufpause verblieb mir, als er mir die Höhe meines Sattels anpasste. Allerdings
musste ich im Anschluss für kurze Zeit seinem Tempo Schritt halten, was mich komplett erledigte. „Wie ich sehe schaffst du’s auch noch ohne mich weiter! Ich schau dann mal, wo die anderen Mädels bleiben.“ Und weg war er auch schon wieder.

Ich hätte am liebsten angefangen zu heulen. Ich habe mir im Leben noch nie so sehr einen
Schluck Wasser herbeigesehnt wie in diesen Stunden. Ich wartete die ganze Zeit nur darauf, dass mein Kreislauf kollabierte, aber er tat es zum Glück nicht.
Nach weiterem endlosen Geholpere traf ich nun auf einen meiner Mitschüler. Sebastian. Ein
Raucher. Völlig durch lag er im Schatten.

„Basti! Ich sterbe gleich!“
„Frag mich mal, ich träume gerade von einer Wiedergeburt!“

Nachdem wir uns gegenseitig eine Weile lang bedauerten und unseren Shitstorm über dieses
Sportereignis, welches für solche Menschen wie ihn und mich völlig verantwortungslos war,
beendeten, traten wir doch noch mal in die Pedale.
Irgendwie schafften wir es schließlich noch in das Dorf zu gelangen. Jetzt hieß es den Treffpunkt am See finden, an welchem der Rest schon seit 2 Stunden planschte.
Da Basti und ich jedoch ein klein wenig übermotiviert waren, fuhren wir zunächst in die falsche Richtung.
Dementsprechend kamen wir als Schlusslicht endlich am Seeufer an.
„Super jetzt sind wir ja alle wieder vollzählig und können nun wieder zurück! Macht euch alle fertig, 10 Minuten habt ihr noch.“

Ich dachte ich spinne. Ich hatte das Gefühl ich erlitt bereits Wahnvorstellungen.
War ich schon so dehydriert? 10 Minuten? Ich war am A….!

Runter, dachte ich mir, dürfte jetzt wenigstens kein Problem mehr darstellen. Die Temperatur war nicht mehr so erdrückend wie zur Mittagszeit, der Fahrtwind kam einem auch entgegen und wir Mädels hatten die Möglichkeit dem Tempo zu Folgen. Schön nach dem Motto einfach rollen
lassen..
Fehlanzeige, da rollte nix! Jeder von uns war nur damit beschäftigt die Geschwindigkeit halbwegs in den Griff zu bekommen, sprich die Bremse wurde nie ganz los gelassen. Auf diesem kleinen schmalen Weg – neben der Schlucht – lagen uns dann auch noch die Steine in der Quere. Als es dann auch schon den Ersten der Jungs schmiss, der natürlich nicht so vorsichtig unterwegs war, verspürte ich den leichten Hauch von Panik. Ich konzentrierte mich so sehr, nicht ansatzweise in die Gefahrenzone der Schlucht zu kommen, dass ich mehr Schweiß auszuschütten schien, als zuvor durch die Anstrengung.

Aufatmen konnte ich erst wieder als wir die Gerade erreicht hatten und in Richtung
Mountenbikeverleih fuhren.
So sexy, wie an diesem Tag präsentierte ich mich noch nie eine Gruppe von Männern…
Aber irgendwann ist immer das erste Mal.

Die sau lässige Abschiedsfeier am Beachclub mit den italienischen Surferboys hingegen, ließ mich jeden schrecklichen Gedanken an diesen Trip verdrängen.

Ein verlängertes Wochenende nach Torbule lohnt sich auf jeden Fall!

In Liebe,
Eure La Milia

Mein Name ist Laura. Ich bin 24 Jahre alt und ein waschechtes Münchnerkindl. Mit meiner Website La Milia will ich euch einen Blog bieten, bei welchem für Jeden etwas dabei ist. "Der Sinn des Lebens, ist zu leben." Dies entspricht meiner Lebenseinstellung, weshalb ich euch die schönen Dinge nahebringen werde, die meinen Alltag jeden Tag einzigartig machen.

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