Praktikum

Praktikum.
Sonntag Morgen, 04:30 Uhr und ich stehe wo? In meinem Stammclub.
Dass bekanntlich im belustigtem Zustand die besten Ideen entstehen weiß ja jeder. Hier handelte es sich nicht um eine Idee meinerseits, sondern um den
Vorschlag eines Bekannten, meinem Lieblingsbarkeeper. Nachts hat er immer ein
hütendes Auge auf mich, eben wie ein großer Bruder.
„Sag mal was machst du denn jetzt eigentlich nach deinem Abi?“
„Tja gute Frage!“, dachte ich mir.
Studienplatz für Kommunikationswissenschaften – Fehlanzeige! Ich hatte somit keinen Plan.
„Ich würde gerne mal in den Bereich Journalismus in Verbindung mit Mode gehen.“ , kam dann letztendlich aus mir heraus.
„Hast du Lust ein Praktikum bei einer bekannten Modezeitschrift zu machen? Meine Kollegin arbeitet dort und sucht noch nach einer Praktikantin.“

Einen Monat später stand ich also Dank Vitamin B vor einem der bekanntesten Verlagshäusern Münchens, 18 Jahre jung, nur ein Abitur in der Tasche. Bei den anderen Praktikantinnen handelte es sich um Anfang bis Mitte 20 jährige hübsche Frauen, die bereits ihren Bachelor in der Tasche hatten und nach einem Jahr Wartezeit und Telefoninterviews aus Nürnberg, Hamburg, oder Graz kamen, um diese 3 Monate hier in München zu verbringen.
Etwas unangenehm war es mir dann doch zugeben zu müssen, dass ich meinen Praktikumplatz Dank einem Barkeeper erhalten hatte. Jetzt hieß es Gas geben.
Wer mich zu dem Zeitpunkt noch gewarnt hatte, dass sich das Klischee von „Der Teufel trägt Prada“ bestätigen wird, hatte keine Chance meine Illusion zu zerstören, hingegen die Redaktion schaffte es auf Anhieb.
Der Alltag war geprägt von High Heels, Botox, Parfum, Mode und Hüttenkäse.
Warum ein Monatsmagazin jeden Morgen eine Konferenz braucht habe ich bis heute noch nicht verstanden, genauso wenig wie die Tatsache in der Früh die bequemen Sneaker gegen die zwar heißen, aber unbequemen High Heels zu tauschen. Beinsport wurde hier nicht mehr gebraucht , das bewiesen mir die Striche in der Landschaft.

Nach nichtmal einer Woche hatte mich nun die Chefin höchstpersönlich im Visier. Alle Praktikantinnen hatten sich Ende der ersten Woche im Hauptbüro zu versammeln. Nein, nicht um sich kennenzulernen, eher um uns einen kleinen Anschiss bezüglich
unserer Arbeitseinstellung abzuholen. Wir sollten ja schließlich nicht in der Konferenz erscheinen, wie in einer Kinovorstellung, sondern uns beteiligen und einbringen. Nicht einmal im Traum wären wir auf die Idee gekommen auch nur ansatzweise den Mund
aufzumachen, immerhin gehörte das Wort einzig und allein der Chefin höchstpersönlich. Nach der Meinung wurden die Leute gezielt gefragt, oder es kam zu einer allgemeinen Abstimmung. Nach ihrem Vortrag sollte sich jede von uns noch mit ein paar Sätzen vorstellen, was mir leider gar nicht zu Gute kam. Jetzt hatte Sie mich komplett, ohne Studium und gerade mal Volljährig. No Go! Nachdem ich Ihr leider auch die Schlagzeile der Süddeutschen an diesem Tag nicht nennen konnte, war das mein Ende.

Allerdings rechnete die gute Frau nicht mit meinem Entgegenwirken. Sie bekam die Ideen die Sie von mir vor versammelter Mannschaft am frühen Morgen hören wollte.
Ich las jeden Tag fleißig die Süddeutsche, damit mir dies nicht noch einmal passieren konnte.

10 Uhr, Konferenz. Es war der schlimmste und zugleich beste Tag des Praktikums.
Zu dieser Zeit hätte sich niemand vorstellen können, was sich hinter den Kulissen
abgespielt hat. Die Königin war außer sich…
Ein Artikel und natürlich nicht irgendein Artikel. Der aus der Süddeutschen, um welchen es sich um eine Magersüchtige handelte, den leider niemand aus der Redaktion gelesen hatte. Ein gewaltiger Vortrag folgte und im Anschluss sollte nun jeder die Tageszeitung nennen, die man täglich las. Bei mir angelangt antwortete ich brav : „Die Süddeutsche.“ , kurz und knapp wie jeder andere. Bezüglich meiner Vorgeschichte müsste nun aber jeder von euch bemerkt haben, dass es dabei sicher nicht blieb. „Was war denn heute die Titelzeile?“
Nachdem nun alle die Erlaubnis hatten das Büro wieder zu verlassen, bekam ich noch den ein oder anderen Zuspruch und Lob. Zum Teil ärgerten sich die meisten Mitarbeiter nur tierisch. „Was soll das denn jetzt? Warum führt sie sich denn auf, wie in der Schule?“, „Ist das ihr Ernst? Fragt sie uns das nächste mal ob wir unser Gedicht auch brav auswendig gelernt haben?“,….. .
Ich war einfach nur mächtig stolz. Ich habe Ihr nicht nur die Titelzeile genannt, sondern auch noch eine kurze Zusammenfassung des Artikels gegeben. „Schulterklopfer.“
Letztendlich wusste ich ja, dass sie Ihn noch nicht gelesen haben kann, denn die Gute
bekam jeden Morgen ihre BILD. Bildung versteht sich.

Aber das ist nunmal das Praktikantenleben und jeder fängt klein an.
Für eines danke ich jedoch ganz besonders, für die Erfahrung. Ich weiß nun was ich nicht will und ich habe eine tolle Person kennengelernt, mit welcher ich diese 3 Monate gemeinsam überstanden habe. Mit Ihr konnte ich mir die Zeit ein wenig entspannter machen und musste in meiner Mittagspause nicht die Kalorien zählen.

In Liebe,
Eure La Milia.

Mein Name ist Laura. Ich bin 24 Jahre alt und ein waschechtes Münchnerkindl. Mit meiner Website La Milia will ich euch einen Blog bieten, bei welchem für Jeden etwas dabei ist. "Der Sinn des Lebens, ist zu leben." Dies entspricht meiner Lebenseinstellung, weshalb ich euch die schönen Dinge nahebringen werde, die meinen Alltag jeden Tag einzigartig machen.

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