Dating-Safari

Dates.

19.00 Uhr, ich stehe vor meinem Kleiderschrank und erleide eine Schockstarre.
Die Tatsache, dass Frau bei der Masse an Kleidung trotzdem nichts anzuziehen hat, finde ich faszinierend.

„NOTFALL!“
„Spatzl, was ist denn los?!“, meldet sich am anderen Ende der Leitung meine Freundin.
„Ich habe genau in 1 Stunde in der Stadt zu sein! Ich habe ein Date! Und ich habe nichts zum Anziehen!“
„Ach Schmarrn, dein Kleiderschrank gibt doch einiges her…“
„Ich bin am verzweifeln!“
„Willst du was von mir ausleihen?“
„Ich habe keine Zeit mehr…. Was soll ich tun? Schlicht? Schwarz? Absatz? Sexy? Verspielt? Natürlich? Locken? Glatt?…“
„Hmm… was ist wenn du einfach das vom letzten Mal anziehst, als wir zusammen unterwegs waren? Ich fand da sahst du super aus!“

Wieder einmal schlüpfe ich also in mein Standardoutfit. Ich habe das Gefühl mittlerweile hat es jeder schon mindestens 10 mal zu Gesicht bekommen.
Unendlich viele Varianten die einem geboten sind, aber letztendlich trägt man doch immer das gleiche. Warum? Weil man sich in seinen Lieblingsstücken einfach am wohlsten fühlt. Und das meine Lieben, ist auch gut so! Es gibt nichts schlimmeres, als sich an solch einem Abend verkleidet und unwohl zu fühlen, denn genau das strahlt man dann auch aus.

Leichte Nervosität schwirrt in mir. Tief atme ich die frische Abendluft in Verbindung mit meinem Chanel Duft ein. Herrlich! Allmählich kommen im Gärtnerplatzviertel immer mehr lässige Leute zum Vorschein.
Ich schicke noch ein letztes Stoßgebet zum Himmel, als mich eine fremde Hand auf meiner Schulter in die Realität zurück reißt.

Immer wieder ein spannendes Abenteuer einen Abend mit einem fremden Menschen zu verbringen. Einerseits liebe ich es, neue Leute kennen zu lernen, neue Geschichten zu hören, neue Ansichten dargelegt zu bekommen und neue Restaurants oder Bars mit demjenigen auszuprobieren, andererseits kann so ein Abend auch total in die Hose gehen. Besonders dann, wenn Gin Tonic am Wochenende zuvor, zum Zeitpunkt der ersten Kennenlernphase, mein Begleiter war.

„Dieser Person habe ich also an dem Abend an der Bar meine Nummer gegeben?! Mist! Wie konnte das passieren…“
„Hatte ich an dem Abend keine hohen Schuhe an?! Oh nein….“
„Hilfe, diese Lache wurde durch dem Bass doch etwas in den Hintergrund gedrängt…“

– Was mich optisch nicht anregt, befriedigt mich auch nicht im Bett –
Dieser Satz wurde eines Abends in eine alkoholisierte Runde unter Freunden gelassen. Alle sind zu dem Entschluss gekommen, TATSACHE.

Nein ich bin nicht oberflächlich. Einfach nur ehrlich. Entweder die Chemie stimmt auf Anhieb und man findet seinen Gegenüber sympathisch, oder eben nicht. Das Gespräch hat während dem Essen Zeit sich zu entwickeln, oder es schläft eben schon ein, bevor man sein Gericht serviert bekommt. Über Humor lässt sich streiten, jedoch sollte das nicht an diesem Abend der Fall sein und besonders, wenn man seinen Gegenüber nicht einmal lachen hören kann, ist Hopfen und Malz eh schon verloren.
Wenn sich dann auch noch die optische Anziehungskraft verabschiedet, dann war´s das eben. Der Mensch sieht innerhalb der ersten Sekunden mit seinen Augen. Von Ohren und Mund wird erst im Nachhinein Gebrauch gemacht.

Aber nun zurück zum Gärtnerplatz. Wenn man den anderen Menschen nun das erste mal erblickt, ist die Münze bereits gefallen.
Ich habe schon einige Abende verbracht, welche eine Bereicherung darstellten. Auch wenn aus so einem Date nichts für die Zukunft wird, man hat immerhin einen neuen Menschen kennengelernt und vielleicht sogar zu seinem Umfeld dazu gewonnen. Manchmal bleibt es eben nur bei einem schönen Gespräch und gutem Wein.
Oder aber man ist froh, dass der andere, nach einigen Absagen für ein weiteres Treffen, das Interesse verloren hat.

Nun sitze ich also in einem der besten Sushi Läden in München, bekomme die leckersten Inside-Outside Rolls mit geröstetem Sesam serviert, aber leider kann ich diese nicht so sehr genießen. Mit mir am Tisch, mein Date. Aufgrund meines Katers, der mich nach der gestrigen Nacht noch nicht verlassen hat, entscheide ich mich zunächst gegen Alkohol.
Im Nachhinein war diese Entscheidung eher unklug. Nachdem mir mein Date seinen Werdegang im Detail geschildert hatte, wünschte ich mir sehnlichst ein Glas Wein herbei. Schock erstmal verdauen. Ich befand mich im Gegensatz zu ihm noch am Anfang meines ersten Studiums, wohingegen er seine Bachelor und Master in der Tasche hatte, an der Uni bereits selbst Veranstaltungen hielt und nun auf seine Karriere zusteuerte.
Wirklich begeistert war ich jedoch trotzdem nicht.
Ich hoffte also darauf mein Essen selbst zu bezahlen, um Ihm somit nichts „schuldig zu sein“.

Neues Date, neues Glück. Ich war mit einem sympathischen Betreiber eines Cafés in Schwabing verabredet. Das niedliche Café war bereits geschlossen, jedoch nicht für uns.
Gemütlich tranken wir noch ein Glas Wein, bevor wir uns in die Nacht stürzten. Er kannte einfach jeden, egal ob Barkeeper oder Türsteher. Das Treffen war entspannt mit leckeren Drinks und tollen Locations, bis zu dem Zeitpunkt, als wir auf unser Alter zu sprechen kamen. Es haute mich einfach komplett aus den Latschen, als ich erfuhr, dass der Gute einfach 18 Jahre älter war als ich und auch ihm war anzusehen, wie überrascht er war. Hin und wieder schätzen mich einige älter als ich eigentlich bin.
Das Glück war somit auch hier nicht zu finden…

Nun aber ein weiteres Schmankerl aus meiner Dating Liste.
Ein Soziologie Student.
Ich dachte mir, vielleicht wird es ja diesmal ein gelungenes Treffen, wenn ich es mit einem gleichaltrigen Studierenden zu tun habe, der sich im selben Lebensabschnitt befand.
Nein, dem war leider nicht so.
Da mein Date mir bereits zu Beginn von seiner Leidenschaft fürs Kochen berichtete, nahm ich die Einladung gemeinsam in seiner WG zu kochen gerne an. Allerdings bezauberten mich seine Kochkünste in keinster Weise. Es gab TexMex Pfanne.
Man nehme Bohnen, Mais und Champignons aus der Dose und brate etwas Hühnchen an. Im Anschluss haut man einfach über das frische, knackige Gemüse noch eine Flasche Texas-Barbecue-Soße. Köstlich….Nicht.
Während dem Essen, bei welchem ich mich dann doch etwas zurückhielt, schaffte er es schließlich mich komplett von sich zu überzeugen.
„Weißt du, ich denke das Studium ist einfach das richtige für mich. Ich beschäftige mich so oft mit Dingen, die einfach so viel Verbindung dazu haben. Ebenso jetzt, ich frage mich gerade in wie weit ich dich beeinflusse. Bist du gerade du selbst? Lasse ich zu, dass du dich so zeigst wie du bist? Oder fühlst du dich unwohl und bist gar nicht so, wie du bist? Würdest du vielleicht gerade lieber lachen?…“
„CUT!“, dachte ich.
Am liebsten hätte ich ihm gesagt, wie unwohl ich mich fühlte und wie bescheiden das Essen schmeckte, aber so bin ich leider nicht. Ich verletzte andere Menschen ungern. Ich lies also noch ein paar Monologe über mich ergehen und verabschiedete mich höflich.
Auf – kein – Wiedersehen!

Ich würde jedoch keines meiner Dates missen wollen, alleine schon aus dem Grund, dass ich meinen Freundinnen am nächsten Tag sonst keine amüsanten Telefonate bescheren könnte und somit bleiben auch für euch noch weitere Geschichten auf Lager.

Irgendwann bekommt man dann auch hoffentlich sein Traumdate.
Bis dahin heißt es noch weiterhin Acht geben auf der Single-Safari!

In Liebe,

Eure La Milia

Mein Name ist Laura. Ich bin 24 Jahre alt und ein waschechtes Münchnerkindl. Mit meiner Website La Milia will ich euch einen Blog bieten, bei welchem für Jeden etwas dabei ist. "Der Sinn des Lebens, ist zu leben." Dies entspricht meiner Lebenseinstellung, weshalb ich euch die schönen Dinge nahebringen werde, die meinen Alltag jeden Tag einzigartig machen.

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